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Zweites Seewis Forum Herzchirurgie: «Herzchirurgische Behandlung der Herzinsuffizienz»

Das «Seewis Forum Herzchirurgie» hat sich zum Ziel gesetzt, in der Ostschweiz Herzchirurgen, Kardiologen, Rehamediziner und Hausärzte in engen Erfahrungsaustausch zu bringen. Das zweite Forum fand am Donnerstag, 24. Mai 2018, in der Reha Seewis statt. Mehr als 30 Ärztinnen und Ärzte aus der Region informierten sich über aktuelle Aspekte der herzchirurgischen Behandlung der Herzinsuffizienz. Neben den Informationen aus erster Hand über Therapien wie die kardiale Resynchronisierungstherapie CRT oder die kardialen Unterstützungssysteme LVAD als «Bridge-to-transplant» oder als «Destination-Therapie» zur Reduktion der Sterblichkeit wurde namentlich ein «Netzwerk Herzinsuffizienz» mit dem Hausarzt im Mittelpunkt erörtert. Das Forum wurde erneut sehr geschätzt und wird jährlich, das nächste Mal am 16. Mai 2019 zu den herzchirurgischen Aspekten von «Rhythmusstörungen» und «Device-Therapien», veranstaltet.

Warum ein Seewis Forum zur Herzinsuffizienz?
Neben einer Aktualisierung der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zur Behandlung der Herzinsuffizienz 2016 mit neuen Definitionen als Grund für das Forum, ist die Herzinsuffizienz weit verbreitet. Betroffen sind namentlich rund zehn Prozent der 80-jährigen Bevölkerung. Zudem ist die Herzinsuffizienz der häufigste Grund für eine Spitalaufnahme bei Menschen über 50 Jahre. Die Betroffenen berichten allgemein über Erschöpfung, Müdigkeit und Atemnot. Es ist dann wichtig, die richtige Diagnose zu stellen, nach der Ursache zu forschen und eine entsprechende Therapie einzuleiten. Dabei spielt die Rehabilitation eine zentrale Rolle. Sie vermag, die wichtigen Massnahmen von Lebensstiländerungen und Medikamente beim Patienten dauerhaft zu etablieren, um den Patienten damit eine bessere Lebenserwartung mit gleichzeitig hoher Lebensqualität zu ermöglichen. Neben der Reha benötigt der Patient dafür ein Netzwerk von Therapeuten, in dessen Mittelpunkt der Hausarzt steht.

Neue Aspekte zur Bypass-Operation
Die häufigste Ursache der systolischen Herzinsuffizienz bleibt die Koronare Herzerkrankung, die „Verstopfung der Herzkranzgefässe“. Die Basisbehandlung besteht auch hier aus Änderungen im Lebenswandel und Tabletten. Falls sich damit keine Beschwerdefreiheit erreichen lässt, kann zusätzlich ein Kathetereingriff oder bei fortgeschrittenen schweren Befunden die Bypass-Operation erfolgen. Die aktuellen Entwicklungen dazu wurden von PD Dr. Alberto Weber vom HerzZentrum Hirslanden vorgestellt: Lediglich mit kleiner oder ohne Herz-Lungen-Maschine zu operieren, Verwendung von arteriellen Bypassen oder die minimal-invasive Behandlung von Aussackungen der Herzkammer nach einem Herzinfarkt.

Mitralklappe: Reparatur oder Ersatz?
Nachdem bereits im September 2017 die Aortenklappenfehler als Ursache einer Herzinsuffizienz im ersten Seewis Forum behandelt wurden, standen jetzt im Referat von Prof. Dr. Omer Dzemali, Stadtspital Triemli, die Mitralklappenerkrankungen im Brennpunkt. Gerade bei diesem Herzklappenfehler steht die exakte Diagnostik als Basis einer guten Therapie im Vordergrund. Die verschiedenen Methoden einer Reparatur oder eines Ersatzes wurden im Anschluss erläutert.

Kardiale Resynchronisierungstherapie CRT und Kardiale Unterstützungssysteme LVAD
In den neuen Herzinsuffizienz-Richtlinien von 2016 werden im Therapiebereich unter anderem die Kardiale Resynchronisierungstherapie CRT und die Kardialen Unterstützungssysteme LVAD beschrieben.
Bei der Kardialen Resynchronisierungstherapie CRT wird ein CRT-Gerät unter der Haut, normalerweise direkt unterhalb des Schlüsselbeins, implantiert, so Dr. Michal Gruszczynski vom Stadtspital Triemli in Zürich. Es gibt zwei Arten von CRT-Geräten: den Schrittmacher CRT-P und den Defibrillator CRT-D. Alle Geräte verwenden zusätzlich eine dritte Elektrode: Neben derjenigen im rechten Vorhof und derjenigen im rechten Ventrikel wird eine weitere Elektrode in einer Herzkranzvene am linken Ventrikel platziert. Die Geräte koordinieren die Pumpaktion des Herzens und können schnelle, unregelmässige oder langsame Herzrhythmen behandeln.

«Destination-Therapie»
Aufgrund der neuen Herzinsuffizienz-Richtlinien von 2016 sollte bei Patienten, die trotz optimaler Pharmako- und Aggregattherapie weiter an einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion unter 40 Prozent HFrEF leiden, ein implantierbares Linksherzunterstützungssystem LVAD erwogen werden. Der Einsatz erfolgt entweder zur Überbrückung der Zeit bis zu einer Herztransplantation aufgrund einer «Bridge-to-transplant-Indikation» oder zur Reduktion der Sterblichkeit unabhängig von der Option einer Transplantation als «Destination-Therapie». An vielen Beispielen hat Professor Dr. Markus Wilhelm gezeigt, wie gut Patienten damit im Alltag zurechtkommen.

Hausarzt im Mittepunkt des «Netzwerks Herzinsuffizienz»
Dr. Michael Coch, Chefarzt Reha Seewis, hebt in seinen Ausführungen die massgebliche Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte hervor. Ausgangspunkt ist eine State-of-the-art-Diagnose in der Hausarztpraxis. In der klassischen Behandlungskette der schwereren Herzinsuffizienzfälle kommen alsdann der Kardiologe, das Akutspital, die Herzchirurgie, die Rehabilitation und erst dann wiederum die Hausärztin oder der Hausarzt zum Zug. Diese Behandlungskette sollte laut Dr. Coch im Dienste der Patientinnen und Patienten verstärkt zu einem «Netzwerk Herzinsuffizienz» ausgebaut werden. In dessen Mittelpunkt steht die Hausärztin oder der Hausarzt. Sie oder er steht dann in jedem Zeitpunkt der Behandlung mit dem jeweiligen Hauptakteur – Kardiologe, Akutspital, Herzchirurgie, Rehabilitation – in Verbindung. Damit lassen sich alle Behandlungsschritte optimalisieren.

Nicht nur das Herz braucht Unterstützung
Herzinsuffizienz-Betroffene leiden nicht nur unter den körperlichen Symptomen ihrer Krankheit. Sie haben auch Ängste wegen verminderter Leistungsfähigkeit, Panik wegen Luftnot und dem erwarteten Verlauf der Krankheit, Traumafolgestörungen nach Reanimation oder Operation. Zudem müssen sie generell auf den Pfad zu einem gesünderen Leben geführt werden. Somit braucht nicht nur das Herz die bestmögliche medizinische Unterstützung. Von hoher Bedeutung für den Behandlungserfolg sind auch psychosoziale Faktoren. Aus diesem Grund kommt in der zeitgemässen kardiologischen Rehabilitation dem Einsatz der Erkenntnisse der Psychokardiologie eine besondere Bedeutung zu. Und: Gemäss Dr. Coch müssen im «Netzwerk Herzinsuffizienz» der Zukunft gerade auch die Hausärztinnen und Hausärzte ihren Patientinnen und Patienten vermehrt psychokardiologische Unterstützung gewähren.

Podiumsgespräch geleitet von Dr. André Müller
Nach den Vorträgen moderiert Dr. André Müller, Ärztlicher Leiter des Ärztenetzwerks Graubünden, einen intensiven Austausch zur Frage der optimalen Behandlungen der drei Herzinsuffizienz-Gruppen gemäss den neuen Herzinsuffizienz-Richtlinien von 2016. Dabei wurde die Rolle der Hausärztinnen und der Hausärzte erneut besonders unterstrichen: Sie kennen die Patientinnen und Patienten und ihre Erkrankung am besten. Für den nachhaltigen Behandlungserfolg ist die nahtlose Übernahme aus der Rehabilitation sowie die kompetente und engmaschige Betreuung unter Einbezug der psychokardiologischen Erkenntnisse von hoher Bedeutung.
Die Foliensätze der Vorträge sind auf der Homepage der Reha Seewis unter https://www.rehaseewis.ch/forum.html